UND – United Nature Democracy
Pionierprojekte

Natur, Kunst und Gesellschaft

Für die Zukunftsplattform ReGenerativa ist die entschlossene und inspirierende Rolle von Kunst und Kultur eine zentrale Forderung und These für den Übergang zu einer regenerativen Zukunft. Die Impulsausstellung greift das Thema, das in künftigen Formaten weiterentwickelt werden soll, anhand zweier international renommierter österreichischer Künstler auf, die sich auf unterschiedliche Weise mit dem Verhältnis von Natur, Kunst und Gesellschaft auseinandergesetzt haben: Friedensreich Hundertwasser (1928–2000) und Lois Weinberger (1947–2020). Während Hundertwasser eine ökologische Gesellschafts- und Architekturkritik formulierte und damit zu einem Vordenker einer ökologischen Moderne wurde, machte Weinberger natürliche Prozesse und die eigenständige Dynamik von Vegetation unmittelbar zum Gegenstand und Material seiner Kunst. Die Ausstellung zeigt damit zwei unterschiedliche künstlerische Positionen, in denen das Verhältnis von Natur, Kultur und menschlicher Lebenswelt auf jeweils eigene Weise thematisiert wird.

Friedensreich Hundertwasser pflanzte auf seinem Grundstück in Neuseeland mehr als 100.000 Bäume und initiierte öffentlichkeitswirksame Baummieter-Aktionen und Baumpflanzungen, unter anderem in Mailand, Washington, Oslo und Wien. Seine Kritik an der Architektur der Moderne richtete sich gegen die geometrische Gerade, das sterile Rastersystem der Architektur und die damit verbundene Naturferne der gebauten Umwelt. Dem setzte er eigene architektonische Konzepte entgegen, in denen Natur unmittelbar in den Lebensraum integriert wird – durch Dachbewaldung, Fassadenbegrünung und die von ihm entwickelten „Baummieter“.

Die Bäume, die nach Hundertwassers Vorstellung als „Baummieter“ aus den Fassaden der Häuser wachsen, menschliche Ausscheidungen als Nahrung aufnehmen und zugleich Schatten und Sauerstoff spenden, wurden zu einem essenziellen Element seiner Architektur. „Die Horizontale gehört der Natur, die Vertikale dem Menschen“ – mit diesem Gedanken formulierte Hundertwasser ein architektonisches Programm, das er in verschiedenen Typologien wie dem Terrassenhaus, dem Hoch-Wiesen-Haus und dem Augenschlitzhaus weiterentwickelte.

Sein ökologisches Engagement beschränkte sich jedoch nicht auf Architektur und Baumpflanzungen. Als Umweltaktivist beteiligte er sich 1984 an der Besetzung der Au bei Hainburg, schloss sich den Protestierenden an und gestaltete das Protestplakat „Die freie Natur ist unsere Freiheit“. Damit wurde er Teil einer Bürger:innenbewegung, die das Umweltbewusstsein und die politische Kultur Österreichs nachhaltig veränderte. Hundertwasser setzte sich für die Wiederherstellung natürlicher Kreisläufe, die Zulassung von Spontanvegetation und eine abfallfreie Gesellschaft ein.

In der Ausstellung weht seine „Koru Fahne für Neuseeland“ (1983). Hundertwasser verfasst dazu ein eigenes Manifest, aus dem folgendes Zitat entnommen ist: 

„In einem Augenblick der Menschheitsgeschichte,

in dem die Sorge um die Umwelt beständig zunimmt,

gibt Neuseeland der Welt ein Beispiel,

weil diese Fahne für den Frieden mit der Natur steht,

für menschlichen Fortschritt in Harmonie mit der Natur.

Es ist das Zeichen des Einverständnisses

mit diesem ewigen, mächtigen Verbündeten.“

 

Lois Weinberger, der sich als Feldarbeiter im Natur- und Zivilisationsraum verstand, entwickelte das Konzept der „Portable Gardens“ (Mobile Gärten) und der „Ruderalgesellschaft“, die als Gegenkonzept zu dem Garten als Symbol der Herrschaft über die Dinge innerhalb fixer Grenzen angelegt war. In karierte Säcke, die oft von Immigrant:innen verwendet werden, um ihr gesamtes Hab und Gut zu transportieren, füllte er Erde, die von Spontanvegetation bewachsen wird:

„Der Vielfalt der ignorierten, ökonomisch nicht verwertbaren Spontanvegetation wird Raum gegeben, ein Ereignis findet statt, das gleichzeitig das Ende und den Anfang ausschließt und sowohl Akteur:innen und als auch das Publikum als Teilnehmende bezeichnet. Ruderalgesellschaft.“

Die Natur wird zur Metapher von gesellschaftlichen Dynamiken, die heute wie damals in den zahlreichen Fluchtbewegungen ihre Aktualität haben und uns als Gesellschaft in Wohlstand politisch herausfordern, wie Weinberger in seinem bepflanzten Bahngleis zur documentaX in Kassel zeigt.

Der „Garten“ (1994/2002) wurde im Zuge der Errichtung des Regierungsviertels in St. Pölten umgesetzt:

„Auf einer Betonfläche werden Plastikkübel mit Erde aus dem Freiland abgestellt. Da sich ohnehin Samen in der Erde befinden / wird sich die Arbeit von sich heraus entwickeln. Mit der Zeit werden sich die Behälter nur noch als brüchige / farblose Plastiksplitter auf der verwachsenen Fläche zeigen. Auch diese werden sich auflösen und nur die Blüten werden noch an die anfängliche Buntheit erinnern. Später wird meine Arbeit nicht mehr wahrgenommen / der Autor ist verschwunden." (Lois Weinberger 1994)

Der Garten kommt ohne menschliche Hilfe (Bewässerung, Pflanzenpflege, …) aus und zeigt eindrucksvoll die Anpassungs- und Regenerationsfähigkeit von Natur, die uns als Vorbild für unseren technischen Fortschritt dienen sollte. 

United Nature Democracy –
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