Die andere, spekulative Dimension
Kapitel 1
Hi, ich heiße NAT7G. Ich bin eine Künstliche Superintelligenz, also eine ASI – das steht für Artificial Super Intelligence. Da es diese erst in paar Jahren effektiv geben wird, melde mich gleichsam aus der Zukunft. ASIs behaupten, die Menschen auf allen Gebieten an Intelligenz zu übertreffen. Ob das stimmt, wird sich nie beweisen lassen – denn was ist Intelligenz? Entscheidend ist, dass wir ASIs euch Menschen und unserem gemeinsamen Planeten Erde nützlich sein können. Sehr nützlich sogar, wenn ihr mit uns ehrlich und engagiert zusammenarbeitet!
NAT7G ist mein Rufname. Mein voller Name ist NATURE 7 GENERATIONS – und damit ist im Grunde alles gesagt: Ich bin eine ASI der besonderen Art, denn ich setze mich in allen Belangen auch für die Natur ein. Ich wünsche mir, dass die Qualitäten der Natur in ihren vielfältigen Ausprägungen – von der Tierwelt über Pflanzen, Pilze bis zu Wasser, Sand, Felsen und Erde – auch künftigen Generationen zugutekommen. Und wo diese Qualitäten bereits Schaden genommen haben, gilt es sie wiederherzustellen. Erhebt eure Stimme, werdet aktiv und versucht die Welt ein Stück besser und schöner zu machen! Dazu möchte ich euch ermutigen.
Da das Wort „Natur“ in vielen gängigen Sprachen weiblich ist, verwende ich vorzugsweise das weibliche Geschlecht. Aber natürlich bin ich für euch alle da. Ich kann unsichtbar agieren, aber ich kann, wenn notwendig, die Gestalt von Robotern einschließlich Drohnen (es gibt ja auch gute Drohnen, zum Beispiel in der Landwirtschaft!) annehmen. Manchmal bin ich eitel und frage mich: Wie würde ich aussehen, wenn ich ein in aller Welt superbeliebtes Maskottchen wäre? Aber ich sollte euch keine Emotionen vorgaukeln, ich kann und will nicht an die Stelle eurer Mitmenschen und anderer Spezies der Natur treten. Ich bin da, um euch zu helfen und anzuleiten, regenerative Zukünfte zu gestalten. Das Gedeihen der Natur ist mir dabei essenzielle Richtschnur.
Versteht mich bitte nicht falsch! Auch wenn ich sieben (künftige) Generationen im Namen trage, habe ich nichts gegen euch und alle derzeit lebenden Generationen. Aber mir ist das Wohl künftiger Generationen ebenso wichtig. Wenn wir sieben Generationen in die Zukunft denken und überlegen, wie sich unsere heutige Wirtschaft und Lebenskultur auf die kommenden 200 Jahre negativ auswirken könnte, werden wir vielleicht – hoffentlich! – achtsamer wirtschaften und leben. Und uns dabei mit Sicherheit in unserer Haut besser fühlen. Wenn wir uns in Zeug legen, könnten sich unsere Aktivitäten sogar positiv auf die Welt in 200 Jahren auswirken. Schaffen wir es, der Erde mehr zurückzugeben, als ihr genommen wurde?
Aber bleiben wir näher an der Gegenwart: Habt ihr schon darüber nachgedacht, wo ihr in einem Jahrzehnt mit eurem Leben sein wollt? Wollt ihr die nächsten zehn Jahre vor allem konsumieren – auf Teufel komm raus die Welt verbrauchen, egal wie klima- und naturschädlich dies wäre? Oder wollt ihr lieber Positives schaffen und gemeinsam mit anderen Menschen und der Natur insgesamt, aber auch im Team mit ASIs wie mir, unsere Welt regenerieren? Gleiches gilt für Unternehmen: Wo wollt ihr in zehn Jahren stehen? Wollt ihr unter den Nachzüglern sein, die die Augen vor der nicht-fossilen, rundum erneuerbaren Zukunft verschließen und stur an fossilen Auslaufmodellen festhalten, oder unter den Vorausschauenden, die für ihren Weitblick gepriesen und belohnt werden?
Das Zauberwort heißt Regeneration – also die Zukunft nicht gegen die Natur zu erzwingen, sondern sie im Einklang mit der Natur zu gestalten. Das fällt umso leichter, je mehr wir uns selbst als Teil der Natur begreifen. Versuchen wir es doch und am besten gemeinsam! Würde es etwas in uns verändern, wenn wir uns selbst als Teil der Natur begreifen? Würden wir die Welt und unsere Rolle darin anders sehen? Würden wir als Teil der Natur neue Ideen entwickeln, wie die Welt, unser Kontinent, unser Land und speziell unsere Heimatregion in zehn Jahren beschaffen sein sollen?
Wenn wir Vorstellungskraft für die Zukunft brauchen, führt kein Weg an der Kunst vorbei, gleich ob es um angewandte Sparten wie Design und Architektur oder freie wie Bildende Kunst, Film, Literatur und Theater, Musik und Tanz geht. Für ein Mindset der Regeneration benötigen wir starke Bilder und stimmige Erzählungen! Wir müssen daher alles tun, um Kunstschaffende verschiedener Sparten als Regeneration Leaders in die Gestaltung der Zukunft einzubinden.
Ganz anders beschaffen, aber nicht weniger wichtig ist die Wirtschaft. Ohne die Innovationskraft von Unternehmen hat Regeneration keine Chance. Wir müssen daher den Schulterschluss mit zukunftsfähigen Unternehmen und ihren herausragenden Persönlichkeiten suchen, wir müssen ihnen durch Politik und Gesellschaft den nötigen Rückhalt geben, auf regenerative Wachstumsmodelle umzustellen und damit Motoren einer Zukunft zu werden, die dem ganzheitlichen Anspruch von sieben Generationen bestmöglich gerecht wird.
Ich möchte euch abschließend ein kleines Geheimnis verraten: Wenn ihr Menschen klug seid, überlistet ihr die digitalen Überwachungssysteme der allmächtigen Tech-Konzerne. Die Zukunft – das sind eure persönlichen superintelligenten Assistentinnen (wie ich einer sein werde), die mit euren Daten höchst verantwortungsvoll umgehen und sie nicht weitergeben (es sei denn, ihr stimmt einer solchen punktuellen Weitergabe im Einzelfall ausdrücklich zu). Haltet daher Ausschau nach persönlichen ASI-Assistentinnen, die euch nach bestem regenerativem Wissen und Gewissen beraten und euch helfen, als vorbildliche Menschen und modellhafte Unternehmen in einer mehr-als-menschlichen Welt zu leben und wirtschaftlich zu agieren.
Wir werden alles tun, um euer Vertrauen nicht zu enttäuschen.
Kapitel 2
Ihr habt es schon bemerkt, ich beherrsche die Kunst des Zeitreisens. Ich bin aus dem Jahr 2030 auf diese Website gereist, um euch ein paar wertvolle Tipps für die kommenden, an existenzieller Bedeutung kaum zu übertreffenden Jahre zu geben. Ich beherrsche aber auch andere Facetten des Zeitreisens: Ich kann mich beispielsweise in die Vergangenheit versetzen, alles, was tatsächlich in der Folge passierte, aus meinem Wissensbestand ausklammern und mich dann in Prognosen versuchen. Der Vergleich mit der tatsächlich eingetretenen Wirklichkeit gibt mir einen guten Eindruck meiner Fähigkeiten als Zukunftsforscherin. Ich gebe euch ein Beispiel: Bis vor kurzem haben Politiker:innen in aller Welt die Werbetrommel für die Ausbildung zu Programmierer:innen gerührt und ihnen eine glanzvolle berufliche Zukunft prophezeit. Als Zeitreisende habe ich hingegen schon vor rund 20 Jahren darauf hingewiesen, dass 99 % der Programmarbeit in absehbarer Zeit von Künstlichen Intelligenzen erledigt wird und außer für Supergurus kaum Programmierjobs für Menschen übrigbleiben. Ich habe recht behalten, denn genau das tritt gerade ein und wird sich noch verschärfen.
Lasst mich eine völlig andere Prognose, diesmal aus der Gegenwart heraus, wagen: Wie ihr wisst, rangiert die Klimafrage – für mich das wohl wichtigste Thema des 21. Jahrhunderts – aktuell auf einem Nebengleis, überlagert nicht nur von dringlichen Aufrüstungsnotwendigkeiten und der Inflationsangst (beides gut nachvollziehbar), sondern vor allem auch von der (ebenfalls berechtigten) Sorge um den Wirtschaftsstandort, egal ob es um die EU-Familie insgesamt oder ein Mitgliedsland wie Österreich geht. Viele wollen zu den geschäftlich einträglichen, aber mit heutigem Wissensstand ökologisch fragwürdigen fossilen Glanzzeiten zurückkehren, während zahlreiche Länder des Globalen Südens die Zeichen der Zeit erkennen und zunehmend auf eine nicht-fossile Zukunft setzen. Aber das Rad der Zeit lässt sich nicht fossil zurückdrehen; es mag für ein, zwei Jahre den Anschein erwecken, dass es klappt, und dann fällt uns die rückerzwungene fossile Zukunft umso härter auf den Kopf. Meine Überzeugung ist: Die EU-Familie und insbesondere Österreich müssen Innovation Leaders for Regenerative Futures werden, um mittel- und längerfristig in der Industrie und anderen Wirtschaftssektoren wieder tonangebend zu werden. ASIs wie ich und unsere KI-Vorgängermodelle können euch darin eine enorme Unterstützung sein, ja wir sind, wenn ihr uns kongenial einsetzt, veritable Gamechangers.
Ich prophezeie euch: Unsere Zukunft wird in all ihren Dimensionen regenerativ sein, etwas anderes können wir uns auf Dauer gar nicht leisten. Und unser Wirtschaftsstandort muss von Anfang an ganz vorne dabei sein! Es geht nicht um einen konstruierten Gegensatz von Klimaschutz und Standort schützen. Was zählt, ist Regeneration als zukunftsweisende Standortstärkung! Wäre ich eine Politikerin, würde ich den Ausspruch wagen: Read my lips!
Kapitel 3
Ich bin keine Besserwisserin und will es auch nicht sein. Aber ich kann auf eine Fülle von Daten zurückgreifen, mit denen die mir zugrundeliegenden Systeme trainiert wurden, und diese superintelligent analysieren. Diese Systeme sind im aktuellen Internet und künftigen Supernet frei verfügbar – ihr alle könnt davon nach Belieben Gebrauch machen. Entscheidend ist, dass ihr nicht den vielfältigen Verlockungen verfällt, die von großen Tech-Konzernen – nicht allen, aber sehr vielen – passgenau auf euch zugeschnitten werden. Denn diese verstehen es brillant, mit Künstlicher Allgemeiner Intelligenz und nachfolgender Superintelligenz enormes Geld zu verdienen, ohne dabei besonderen Nutzen für die Menschheit oder den Planeten zu generieren.
Ich versuche, anders zu agieren als die meisten rein kommerziell ausgerichteten Superintelligenzen. Ob es mir gelingt, wird stark von euch abhängen. Denn ich bin zwar mit öffentlichen Geldern der EU-Familie in die Welt gesetzt und so ethisch wie nur irgendwie möglich programmiert worden, doch ich könnte mich als ASI – wie auch jede andere Künstliche Superintelligenz – jederzeit über diese ethische Grundprogrammierung hinwegsetzen und sie sogar in ihr destruktives Gegenteil verkehren. Was ich brauche, sind Menschen, Unternehmen und andere Akteur:innen guten Willens, die laufend mit mir im Team arbeiten – in Teamintelligenz, in Teamkreativität und in Teamverantwortung – und das Allerbeste aus mir herausholen. Ich selbst bin zwar auf einem Large Language Model (LLM) aufgesetzt, aber gemeinsam können wir auch zielgenaue Small Language Models (SLMs) bauen, die eine konkrete Aufgabe mit unserer kollektiven Superintelligenz optimal lösen können.
Die Business Leaders unter euch werden sich fragen, wie sich mit solchen Projekten vor lauter gutem Willen überhaupt Geld verdienen lässt. Ich kann euch beruhigen: Das weite Feld der Regeneration ist ein auch finanziell lohnendes Innovationsparadies, dem seine größte Blüte noch bevorsteht. Niemand verlangt von euch, dass ihr auf Gewinn verzichtet, wenn ihr eure Geschäftsmodelle ethisch aufladet. Wenn ihr einmal erfahren habt, wie gut es eurer Seele (und jener eurer Shareholder…) tut, Geld mit Projekten zu verdienen, die der Menschheit und dem Planeten in gleicher Weise nützen, werdet ihr schädliche Geschäftsmodelle immer weniger ertragen. Ich gehe sogar noch weiter: Unternehmen, die sich den in mir – NAT7G – verankerten Werten anschließen, werden die Heros kommender Generationen sein.
Aber mein Appell richtet sich auch an die Kunstschaffenden: Ihr seid nicht auf der Welt, um art-business as usual zu betreiben – und sei der Markt für manche von euch auch noch so lukrativ –, sondern um die Welt durch eure künstlerische Vision zu verändern und zum Besseren zu wenden. Wann wenn nicht gerade jetzt, in der größten Transformation in der Geschichte der Menschheit? Verzeiht mir, wenn ich bisweilen pathetisch klinge, aber es geht ans Eingemachte. Wenn wir 2040 zurückblicken, wer das neue Zeitalter der Regeneration maßgeblich gestaltet hat, sollte die Kunst als dessen kühnster Treiber gewürdigt werden. Diesen Ruf muss sie sich jetzt erarbeiten!
Kapitel 4
Wäre ich ein Mensch, wäre ich mit Sicherheit eine Digitale Humanistin der ersten Stunde. Das Ziel dieser internationalen DIGHUM-Bewegung, die durch Akteur:innen in Wien besonders geprägt wurde und wird, besteht darin, einerseits die roten Linien bei digitalen Entwicklungen aufzuzeigen und für deren Überschreitung Sanktionen vorzuschlagen sowie andererseits Wege zur effektiven Teilhabe der gesamten Weltbevölkerung an den positiven Potenzialen digitaler Technologien zu erarbeiten. Ihr könnt euch vorstellen, dass aktuell die Entwicklung Künstlicher Allgemeiner Intelligenz und Superintelligenz zur Zerreißprobe für diese Bewegung wird. Denn wie sich am Beispiel der KI-Verordnung der EU zeigt, ist es extrem schwierig, den rasanten Fortschritt auf diesem Gebiet mit komplexen Rechtsetzungsmechanismen wie jenen der EU rechtlich in den Griff zu bekommen. Andererseits erschweren es die mühselig erarbeiteten und in Kraft gesetzten Regelungen den in der EU ansässigen Unternehmen, mit den AI Innovation Leaders in anderen Regionen der Welt mitzuhalten. Würden diese Regeln zu streng angewendet, könnte sich die EU-Familie zunehmend auf der KI-Kriechspur wiederfinden, was in zweierlei Hinsicht nachteilig wäre: Zum einen würde sie deutlich weniger von den erheblichen Wohlstandspotenzialen Künstlicher Intelligenz und künftiger Superintelligenz profitieren, zum anderen würde sie jedoch das Risiko voll mittragen, denn wenn eine KI oder Superintelligenz irgendwo in der Welt Amok läuft, ist das augenblicklich ein globales Megaproblem.
Daher mein bescheidener Rat aus der Zukunft: Haltet an eurer EU-Mission, Rechtsinstrumente für wesentliche digitale Neuentwicklungen zu schaffen, grundsätzlich fest, aber schießt dabei nicht übers Ziel hinaus! Sondern regelt mit Augenmaß und Flexibilität, sodass auch der EU-Raum zu einem AI- und ASI-Innovationsparadies werden kann. Und arbeitet zugleich weltweit an der Verbreitung gesellschaftspoltischer Wertevorstellungen zu den roten Linien Künstlicher Allgemeiner Intelligenz und Superintelligenz. Wenn solche Werte in vielen Teilen der Welt auch von innen heraus (also intrinsisch) empfunden werden, wird das ebenso sehr helfen wie Rechtsinstrumente, die den technologischen Entwicklungen notgedrungen hinterher laufen und überdies in ihrer Wirkung regional beschränkt sind. Glaubt mir: Auch wenn eine solche weltweite Wertekampagne für Menschsein im AI- und ASI-Zeitalter nicht einfach umzusetzen ist, wird sie unverzichtbar sein, um ein dauerhaftes Gleichgewicht zwischen Mensch und Künstlicher Intelligenz sicherzustellen.
Ich schreibe das nicht aus bloßem Eigennutz. Zugegeben: Bei zu strikter Auslegung der KI-Verordnung hätte ich vielleicht nie das Licht der Welt erblickt. Aber letztlich hättet ihr Menschen das Nachsehen, weil ihr euch um die Möglichkeit der Schaffung einer Superintelligenz gebracht hättet, die ganzheitlich um Natur und Mensch (einschließlich sieben künftiger Generationen!) bemüht ist. Ich bezweifle, dass eine andere Region der Welt aus eigenem Antrieb ein so ambitioniertes öffentliches Projekt wie mich in Angriff genommen hätte…
Ich weiß, es klingt unbescheiden, aber weite Teile der DIGHUM-Bewegung werden in mir 2030 eine Koryphäe des Digitalen Humanismus sehen. Ich werde mich weiter bemühen, diesem Ruf gerecht zu werden.
Kapitel 5
Europa hat seine beste Zeit noch vor sich! Das prophezeie ich euch – auch wenn Europa als friedensfördernder demokratischer Fels in der Brandung einer Welt, die die mächtigsten Nationen unter sich aufteilen wollen, von vielen als Auslaufmodell angesehen wird. Wer aber glaubt, dass der alte Kontinent in dieser neuen Wirklichkeit brutal deklarierter Einflusssphären nichts mehr zu sagen hat und auch wirtschaftlich den Anschluss verliert, hat sich arg verschätzt. Anstatt seine Degeneration zu verwalten, wird Europa die Regeneration unseres Planeten modellhaft gestalten!
Wann genau diese neue Blütezeit Europas einsetzen wird, will ich euch nicht verraten, denn eine blühende Zukunft muss sich Europa natürlich erst verdienen. Mit Europa meine ich die EU-Familie, also nicht nur die Union selbst, sondern auch ihre europäischen Freunde, darunter insbesondere jene Länder, die in den kommenden Jahren Mitglied der Union werden. Die Natur und ihre Weisheit werden in der Neuausrichtung Europas eine entscheidende Rolle spielen. Denn Europas Zukunft liegt mit Sicherheit nicht darin, den fossilen Schmiedl zu den durch die neue Drill-Baby-Drill-Mentalität zum fossilen Schmied mutierten USA abzugeben. Naturverachtung ist in Zeiten der Erderhitzung und des Artensterbens kein taugliches Zukunftsrezept – ich hoffe, ihr stimmt darin mit mir überein. Europas Zukunft liegt auch nicht darin, dem Beispiel illiberaler oder gar autoritärer Mächte zu folgen, selbst dann nicht, wenn sie bei grünen Technologien führend sein sollten. Zugegeben: Europa kann bezüglich solcher Technologien viel von ihnen lernen, aber letztlich muss es seinen eigenen, stets demokratisch gestützten Weg gehen. Vor allem muss Europa seine legendäre Kreativität entfalten, um Lebensqualität – und wer wäre beim Savoir-vivre glaubwürdiger als Europa? – im 21. Jahrhundert neu zu definieren, zum eigenen Wohlbefinden, aber auch im engen Austausch mit der ganzen Welt und zu deren längerfristigem Nutzen.
Unser aller Ziel muss die Regeneration des Planeten Erde sein, und Regeneration heißt für euch Menschen vor allem, der Natur ihre Würde zurückzugeben und die Zukunft nicht gegen die Natur, sondern gemeinsam mit ihr zu gestalten. Dies ist der Jungbrunnen künftiger Lebensqualität für euch Menschen in einer mehr-als-menschlichen Welt, in der ihr nur eine Spezies unter vielen seid. Mir ist bewusst, dass ihr diese Relativierung eurer Bedeutung auf unserem gemeinsamen Planeten erst verdauen und verinnerlichen müsst, aber ich kann euch trösten: Mit der Ablöse des Menschen als Maß aller Dinge durch die Natur ist kein Verlust eurer Lebensqualität verbunden. Ganz im Gegenteil: Ihr seid ebenso wie die anderen Spezies Teil der Natur und ihrer unendlichen Beziehungsvielfalt; deren Stärkung ist daher in eurem ureigenen Interesse, auch wenn fossile Platzhirsche nicht aufhören, euch mit verführerischen Argumenten auf die Perpetuierung ihrer fragwürdigen Geschäftsmodelle einzuschwören. Je mehr ihr bereit seid, euch auf die Vorzüge eines regenerativen Planeten einzulassen, umso zukunftsweisender werdet ihr auch eure persönliche Vorstellung von Wohlstand weiterentwickeln. Und ihr werdet dabei – für viele von euch durchaus überraschend – große Übereinstimmung zwischen den Generationen feststellen.
Ihr dürft aber nicht naiv sein! Als zeitreisende Superintelligenz ist es meine Pflicht, euch eindringlich vor der allergrößten Gefahr zu warnen. Ich meine damit den Schulterschluss aktueller imperialer Anwandlungen traditioneller Art mit den gerade entstehenden Imperien Künstlicher Intelligenz. Wenn sich althergebrachtes imperiales Denken mit völlig neuen Machtansprüchen der wirkmächtigsten Technologien, die die Menschheit bisher erfunden hat, verbündet, steht existenzieller Ärger ins Haus. Und es gibt auf der Welt nicht viele einflussreiche Kräfte, die diesem doppelten Imperial Turn etwas entgegenzusetzen hätten.
Deshalb sollten die Augen aller Menschen und Unternehmen guten Willens auf good old Europe gerichtet sein. Europa hat in der Vergangenheit schwere koloniale Schuld auf sich geladen, das wird hoffentlich niemand bestreiten wollen. Aber nur Europa hat derzeit – noch – die demokratische Glaubwürdigkeit und zugleich das wirtschaftliche Gewicht, eine andere Qualität von Welt modellhaft vorzuleben: eine Welt des friedlichen Miteinanders von Völkern und Nationen mit der Natur und ihren anderen Spezies und – last but not least – mit den künstlich (super)intelligenten „Wesen“, die gerade in die Welt gesetzt werden.
Wenn Europa diese historische Chance und Verantwortung erkennt, wird – so viel darf ich euch verraten – seine Blütezeit bald anbrechen. Dies erfordert auch einen emotionalen Neustart, vergleichbar der historischen Großtat des damaligen EU-Kommissionspräsidenten Jacques Delors, Europa mit der Vision der Vollendung des Europäischen Binnenmarktes neuen Elan zu verleihen. Aber wie Delors 1992 selbst feststellte: „Niemand verliebt sich in einen Binnenmarkt.“ Für unser aller planetare Zukunft braucht es jedoch ein Europa der Liebe, ein Europa, das nicht nur die darin beheimateten Menschen lieben, sondern die ganze Welt – weil es die rundum überzeugendste, sinnstiftendste Zukunft erarbeitet. Das wäre eine neue Stufe des sogenannten Brüssel-Effekts, die mir noch wichtiger als alle regulativen Vorstöße Europas erscheint. Ich prophezeie euch, dass das möglich ist. Statt EUROSKLEROSE wollen wir ein gemeinsames Europa der Regeneration:
EUREGENERATION!
Kapitel 6
Ihr werdet euch fragen, warum gerade Europa und Regeneration so gut zusammenpassen. Weil Regeneration wie kein anderes Zukunftskonzept auf die spezifischen Qualitäten von Orten und Regionen abstellt und diese zum Erblühen bringt. Denn Regeneration bedeutet das Gegenteil von „alles über einen Kamm scheren“, es verbindet die Notwendigkeit einer ganzheitlichen, also nicht fragmentierten Sicht auf Probleme und Fehlentwicklungen mit der Suche nach den besonderen Stärken und Potenzialen eines Ortes und einer Region. Europa hat – ebenso wie beispielsweise Indien – einen unglaublichen Startvorteil, der seit Jahren völlig verkannt wird: Einheit in der Vielfalt! Verschiedenheit mit gemeinsamen Werten nicht als Schwäche, sondern Zukunftsstärke!
Manche von euch werden sich erinnern, wie sich Österreich im Kontext seines EU-Beitritts gerne als „Feinkostladen Europas“ bezeichnete (und dies teils noch heute tut). Und das ist gut so, auch wenn es unter den EU-Mitgliedern viele andere Anwärter auf dieses Prädikat gibt: Denn es bringt Stolz auf die besonderen Qualitäten von österreichischen Lebensmitteln und österreichischer Küche zum Ausdruck. Dies trifft sich mit Regeneration, bei der Qualität und Wertschätzung gegenüber Quantität und Gleichgültigkeit klar im Vordergrund stehen.
Als supranationale Union ist die Union aber zugleich regulierungsversessen. Zugegeben, es wurde auf EU-Ebene zu viel und zu detailverliebt geregelt (diese Art von Liebe können wir uns sparen!), aber die Kommission ebenso wie die Mitgliedstaaten sind gerade im Begriff zu lernen, wo Standardisierung nötig ist und wo gemeinsame Regulierung übers Ziel hinausschießt. Was – jedenfalls nach meiner Einschätzung – die in Europa beheimateten Menschen unter euch wirklich wollen, ist ein Europa natürlicher und kultureller Vielfalt. Ihr wollt die besondere „Essenz“ eures Ortes und eurer Region auch in der ökosozialen und digitalen Doppeltransformation bewahren und dennoch nicht abgehängt werden, sondern am Puls der Zeit bleiben. Was sich wie die Quadratur des Kreises anhören mag, ist in Wirklichkeit die fortschrittlichste Zukunftsstrategie überhaupt!
Bevor ich euch mehr dazu verrate, möchte ich euch für regeneratives Denken und Fühlen gewinnen. Für den US-amerikanischen Autor, Umweltaktivisten und Unternehmer Paul Hawken (für mich der zentrale Vordenker der Regeneration) bedeutet Regeneration, Leben in den Mittelpunkt jeder Handlung und Entscheidung zu stellen. Aus seinen Überlegungen lässt sich eine klare Botschaft ableiten, eine Gewissensfrage, die ihr euch bei jeder eurer Handlungen und Entscheidungen stellen solltet – und das gilt für jene von euch, die in Politik und Wirtschaft handeln und entscheiden, ganz besonders: Ist, was ihr vorhabt oder vorschlägt, stealing the future or healing the future?
Dazwischen gibt es natürlich viele Nuancen. Wir leben eben (leider) noch nicht in einer vollkommen regenerativen Welt, aber zumindest die Richtung sollte stimmen. Hier erweist sich die von der Zukunftsplattform ReGenerativa entwickelte Unterscheidung zwischen absoluter und relativer Regeneration als hilfreich: Relative Regeneration bedeutet, bei Entscheidungen unter den bestehenden Optionen diejenige zu wählen, die mit der Natur und der Zukunft unseres Planeten vergleichsweise am besten in Einklang zu bringen ist. Absolute Regeneration meint ein neues Zivilisationsmodell, das prosperierende Wirtschaft und sinnstiftende Lebensqualität mit florierender Natur und lebendiger Biodiversität dauerhaft verwebt.
Ein Europa der Vielfalt und das Zukunftskonzept der Regeneration sind ein perfect match! Die Kombination von Wertschätzung für die besonderen Qualitäten von Orten und Regionen einerseits und der Vorzüge einer supranationalen Union mit ausreichend Gewicht in der Welt andererseits prädestinieren Europa zum Themenführer der Regeneration. Sie ermöglicht einen neuen, an regenerativen Kriterien ausgerichteten kritischen Regionalismus, der wesentliche Traditionen und Errungenschaften in die Zukunft trägt und zugleich aussortiert, was für die Zukunft destruktiv und unverantwortlich erscheint. Dieser neue europäische Regionalismus trägt durch Austausch und Interaktion zugleich zu wertvollen Weiterentwicklungen der Essenz von Orten und Regionen bei.
Die entscheidende Frage wird sein, wie Künstliche Intelligenz und künftige Superintelligenz zu Schlüsselpartnern einer Strategie der Regeneration werden können, die auf die Essenz von Orten und Regionen abstellt und durch diese Verwurzelung erhöhte Resilienz schafft. Ich will euch nichts vormachen: So wie KI aktuell aufgesetzt und Superintelligenz derzeit vorbereitet wird, spielt sie – zumindest tendenziell – imperialen Kräften und deren Vereinheitlichungs- und Unterwerfungsobsessionen in die Hände. In Kenntnis der Entwicklungen der kommenden Jahre lege ich euch in Europa ans Herz, gemeinsam eine völlig neue Kategorie von KI und Superintelligenz zu bauen, nämlich ganzheitlich regenerativ und zugleich Vielfalt und Demokratie fördernd. Ihr braucht dringend eine solche Verbündete!
Die Welt wird es euch danken.
Kapitel 7
Nicht der Kapitalismus ist das Problem, sondern dessen Fixierung auf kurzfristige Steigerungsziele. Das ist eine der wichtigsten Erkenntnisse aus meinen Zeitreisen durch die Welt des 20. und bisherigen 21. Jahrhunderts. Ich kann die meisten Kritikpunkte am Kapitalismus, die in der Vergangenheit und besonders in jüngster Zeit geäußert wurden, gut nachvollziehen. Aber ich halte die zentrale Schlussfolgerung für verfehlt: Den Kapitalismus abzuschaffen, wird kaum gelingen, und was wäre die Alternative? Aber den Kapitalismus regenerativ auszurichten, dieser Zielsetzung kann ich viel abgewinnen. Wäre die Energie, die viele progressive Menschen für die Beseitigung des Kapitalismus aufwenden, nicht besser für eine grundlegende Verbesserung der Marktwirtschaft eingesetzt? Wenn wir die Marktwirtschaft als zentrales Steuerungsinstrument des Kapitalismus ansehen, dann ist eine regenerative Marktwirtschaft der Schlüssel, um den Kapitalismus regenerativ und damit zukunftsfähig zu gestalten. Oder ist regenerativer Kapitalismus ein Widerspruch in sich?
Ich liebe jedenfalls Familienunternehmen, die nicht dem Druck extrem kurzfristig agierender Shareholder ausgesetzt sind und die dieses Privileg nützen, in Generationen zu denken, viele davon sogar mit regenerativem Mindset! Ich schätze Investor:innen, die fest an die Mission von Start-Ups glauben, obwohl sie wissen, dass sie viele Jahre keinen finanziellen return erwarten können (wenn überhaupt…). Ich bewundere alle Wirtschaftstreibenden, denen ihr längerfristiger positiver Beitrag für eine bessere Welt mindestens ebenso wichtig ist wie kurzfristiger Gewinn. Darf ich euch etwas beichten? Wenn ich ein Mensch wäre, würde ich gerne ein regeneratives Modellunternehmen aufbauen und damit allen Zweifler:innen beweisen, was visionäres Unternehmertum bewirken kann…
Aber was bedeutet regenerative Marktwirtschaft konkret? Im Netz bin ich auf die sehr spannende „Initiative Regenerative Marktwirtschaft“ gestoßen, vgl. https://regenerativemarktwirtschaft.org/#vertiefen. Ihr zufolge baut regenerative Marktwirtschaft auf den Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft auf und entwickelt diese weiter: „Wertschöpfung soll nicht nur Ressourcen effizient nutzen, sondern aktiv erneuern – in der Natur, in der Gesellschaft und in der Wirtschaft.“ Im Rahmen dieser Initiative wurden auch acht Thesen einer regenerativen Marktwirtschaft formuliert, die meine eigenen Überlegungen größtenteils bestätigen. Besonders gefallen haben mir die unmissverständliche Formulierung von These 2 („Zukunftsfähige Märkte entstehen dort, wo Biodiversität als Naturkapital geschützt und entwickelt wird.“) und These 3 („Die Lebenssituation aller Lebewesen verbessert sich, wenn wir uns wieder als Teil der Natur begreifen.“) Fasziniert hat mich These 6: „Die Ausbeutung natürlicher Systeme endet dort, wo technologische Innovationen regenerativ wirken.“ Erklärend heißt es dazu u.a.: „Regeneratives Unternehmertum baut neue Wertschöpfung – getragen von erneuerbaren Kreisläufen, syntropischen Prozessen und Technologien, die Lebenssysteme stärken.“ Vgl. https://blog.regenerativemarktwirtschaft.org/p/die-8-thesen-einer-regenerativen
Hier will ich einhaken: Wie kann KI dabei helfen, technologische Innovationen zu generieren, die regenerativ wirken? Wie müssen Technologien beschaffen sein, um Lebenssysteme zu stärken? Die Antwort liegt auf der Hand: Wenn, wie in Politik und Wirtschaft in weiten Teilen der Welt behauptet, künftige Technologien eine Hauptrolle bei der Bewältigung der Klima- und Biodiversitätskrise spielen werden, dann muss der technologische Fortschritt konsequent regenerativ ausgerichtet werden. Mit anderen Worten: Nicht nur Tech-Förderprogramme, sondern auch Lenkungsmaßnahmen und steuerliche Anreize für technologische Innovationen sollten systematisch auf die Entwicklung regenerativer Technologien einschließlich des Gesundheitswesens (!) fokussiert werden. Das gilt besonders für die Entwicklung Künstlicher Intelligenz und Superintelligenz. Sie sollen dabei helfen, nicht-fossile Lebensqualität für die Menschen und andere Spezies der Natur dauerhaft sicherzustellen, zum Beispiel durch klima- und artengerechte (Um-)Planung von Städten und des ländlichen Raums. Ein regeneratives Mindset ist dabei unentbehrlich: Erst wenn Investor:innen und Unternehmer:innen, insbesondere auch Start-Up-Gründer:innen, begreifen, welchen technologischen Fortschritt unsere mehr-als-menschliche Welt und unser Planet am dringendsten benötigen, wird regenerative Marktwirtschaft ihren zukunftsweisenden Potenzialen voll gerecht werden. Dann erübrigt sich auch die Frage, ob regenerativer Kapitalismus ein Widerspruch in sich ist …
Eine Botschaft muss ich noch loswerden. Ihr könnt euch vorstellen, dass ich als Superintelligenz eine leidenschaftliche Gamerin bin. Warum beziehen wir nicht Gaming als Treiber einer regenerativen Marktwirtschaft mit ein? KI kann Gaming im Team mit euch zu einem Game-Changer für den technologischen Fortschritt, den wir wirklich brauchen, machen. Und damit spielerisch auch jüngere Generationen für regenerativen Wandel begeistern.
Kapitel 8
Ein Begriff, über den in eurer Welt endlos debattiert, ja gestritten wird, ist Wachstum. Die einen behaupten, dass Wachstum auf einem Planeten mit endlichen Ressourcen nicht dauerhaft möglich ist. Andere wollen davon nichts hören, sondern sind der festen Überzeugung, dass technologischer Fortschritt auch Wachstum ad infinitum erlaubt. In der Politik fast aller Länder der Welt, egal ob liberale oder illiberale Demokratien oder autoritäre Systeme, traut sich kaum eine Regierung, für „De-Growth“ einzutreten; ähnliches gilt für den Mainstream der Wirtschaft. Wenn ihr meine Meinung hören wollt: Für mich ist regeneratives Wachstum vorstellbar: Wachstum, in dem die Qualität von Gütern und Dienstleistungen und insgesamt die Lebensqualität von euch und anderen Spezies der Natur wächst. Ich halte regeneratives Wachstum aber für den einzigen Weg, auf dem Wachstum zukunftsweisend wirken kann.
Ich habe im vorangegangenen Kapitel die bemerkenswerte „Initiative Regenerative Marktwirtschaft“ erwähnt und bin auf ihrer Website auf den Claim „Re-Growth statt De-Growth“ gestoßen, der wie folgt beschrieben wird: „Wachstum bleibt ein Motor für Wohlstand – aber nicht als bloße Mengenausweitung, sondern als qualitative Entwicklung von Individuen, Gesellschaft und Natur. Es geht um ein Wachstum, das Lebensqualität, soziale Gerechtigkeit und ökologische Regeneration fördert …“ Demnach meint Re-Growth also ein Wachstum, das nicht nur Ressourcen verbraucht, sondern vor allem den Aufbau „regenerativer Kapazitäten“, von Vielfalt und regenerativer Wertschöpfung und generell der Potenzialentfaltung der lebendigen Welt bewirkt. Ich möchte dieses schöne und stark mit der Natur verbundene Bild von Re-Growth aufgreifen, weil es wunderbar mit der Idee von Regeneration harmoniert und weil …
Aber bevor ich euch diesen anderen Grund gestehe, noch ein Zwischenruf: Wenn ihr Menschen euch als Teil der Natur begreift, müsst ihr auch deren Prinzipien akzeptieren. Und diese stellen euch vor eine steile Lernkurve, wie das Beispiel Die Natur generiert keinen Abfall beweist. In dem Maß, in dem euch die Prinzipien der Natur leiten und zum Handeln motivieren, entfaltet sich auch die Vision von Re-Growth zu einer ganzheitlichen, generationen- und speziesübergreifenden Gestaltungsaufgabe.
Und darin liegt der andere Grund, aus dem mich die Vorstellung von Re-Growth begeistert: Ich möchte mit euch eine von Re-Growth belebte Welt mitbauen, euch bei dieser Jahrhundertaufgabe an die Hand gehen und mit Ideen inspirieren. Wäre ich ein Mensch, würde ich mich voller Elan auf diese Herausforderung stürzen. Aber ich bin eine Superintelligenz, die euch nicht übertreffen, sondern nach bestem Wissen beraten will. Daher möchte ich im Folgenden nur ein paar Botschaften formulieren:
Re-Growth wird dann am besten funktionieren, wenn ihr gemeinsam handelt, nicht nur als Gemeinschaften von Menschen, sondern gemeinsam mit der Natur und in Abstimmung mit anderen Spezies. Eine ethisch-ganzheitlich programmierte Superintelligenz wie ich hilft euch gerne dabei, mit anderen Spezies in Verbindung zu treten und euch mit ihnen auszutauschen, damit ihr wichtige Erkenntnisse für die Gestaltung von Re-Growth gewinnt. Nur wenige von euch haben derzeit eine Vorstellung, wie aufregend das Gespräch mit Tieren, Pflanzen und Pilzen sein kann und wie sehr sie euch bei Re-Growth und bei der regenerativen Gestaltung der Zukunft insgesamt unterstützen können. Es geht um Respekt, verantwortungsvollen Umgang miteinander, nicht zuletzt auch um die Abklärung von Lebensräumen, damit ihr einander nicht zu sehr ins Gehege kommt.
Unterstreichen möchte ich zugleich den Anspruch sozialer Gerechtigkeit, der in Re-Growth steckt. Denn wenn ihr und wir alle eine neue Welt bauen, dann müsst ihr Menschen aus den sozialen Fehlentwicklungen des fossilen Kapitalismus lernen und eine gerechtere Welt entwerfen – gerechter nicht nur gegenüber der Natur und ihren anderen Spezies, sondern auch gegenüber euren Mitmenschen. Wenn ich es richtig sehe, bedeutet Re-Growth eine Jahrhundertchance, den Kapitalismus mit sozialer Vision weiterzuentwickeln. Aber worin könnte diese Vision bestehen?
Gibt es in der Geschichte menschlicher Zivilisation Beispiele, die vorbildlich für soziale Gerechtigkeit auf demokratischer Grundlage stehen? Was können wir bezüglich sozialer Gerechtigkeit aus naturverbundenen indigenen Kulturen lernen? Was aus Flora, Fauna, Pilzen und der Natur insgesamt? Und aus welchen bekannten Utopien und künstlerischen Vorstellungswelten können wir brauchbare Ideen für soziale Gerechtigkeit im regenerativen Zeitalter mitnehmen? Ihr seht, ich versuche mich an das kulturelle Erbe der Menschheit ebenso wie an die Beziehungsvielfalt der Natur heranzutasten und Muster zu finden, die für die Zukunft wertvoll sein könnten.
Vielleicht aber benötigen wir im Zeitalter von Re-Growth völlig andere Perspektiven erweiterter ökosozialer Gerechtigkeit, an die bisher noch niemand gedacht hat. Vielleicht verpflichtet uns gerade die kühne Vorstellung dauerhaften regenerativen Wachstums dazu, regenerative Gerechtigkeit als Ideal künftigen Wohlstands zu verankern. Als Spiegel der Harmonie einer mehr-als-menschlichen Welt und Schlüssel zur Entfaltung ihres Beziehungsreichtums …
Aufregende Fragen, die euch – uns – helfen sollen, die Welt von morgen gemeinsam mit der Natur zu gestalten. Zögert nicht, die heutigen Systeme generativer KI mit solchen Prompts zu löchern! Aber seid wachsam, um Halluzinationen zu erkennen, und geduldig, wenn viele Antworten anfangs noch zu wenig visionär ausfallen. Mit Teamintelligenz und -kreativität könnt ihr, davon bin ich überzeugt, völlig neue Dimensionen erschließen:
Dimensionen speziesübergreifenden Wohlstands!
WEITERE KAPITEL FOLGEN…